Im Bürgerinnen- und Bürgerverein haben wir schon gedacht, ein Schild an der Adolfstr. anzubringen, nach wem diese Straße benannt wurde. Das ein gewisser Adolf Hitler nicht der Namensgeber sein konnte, wußten wir.
Jetzt hat die Stadt an den Straßenschildern Adolfstr. von der Lotter Str. und der Martinistr. aus einen Hinweis dazu gegeben. Die Adolfstr. ist dem Adolf Friedrich, einem englischen Prinzen, 1. Herzog von Cambridge und Vizekönig von Hannover gewidmet, der vom 24.02.1774 bis zum 8.07.1850 lebte.
Aber wer ist dieser Adolf Friedrich genau und warum ist ihm ausgerechnet in Osnabrück eine Straße gewidmet?
Es war einmal ein Welfe König von Großbritannien, namens Georg III. Er war in Personalunion auch Herzog und Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg. Seine Frau Charlotte von Mecklenburg-Strelitz gebar ihm 11 Kinder. Der Zehnte davon hieß Adolf Friedrich. Zu seinen Brüdern zählten die Könige von Großbritannien Georg IV und Wilhelm IV , die die Personalunion mit Braunschweig-Lüneburg fortführten Als Wilhelm IV 1837 starb zerbrach diese, da Viktoria, die Tochter eines anderen Bruders, Königin von Großbritannien wurde, währenddessen in dem damaligen Königreich Hannover nur die männliche Thronfolge galt und Ernst August, ein anderer Bruder König von Hannover wurde. Außerdem war Friedrich August, der letzte Fürstbischof von Osnabrück, sein Bruder.
Adolf Friedrich wurde 1801 von seinem Vater zum ersten Herzog von Cambridge ernannt. Wichtiger für Osnabrück wird wohl sein, dass er von ihm 1816 – 1820 als Generalstatthalter des aus dem Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg entstandenen Königreiches Hannover dorthin geschickt wurde. Außerdem war er unter seinem Bruder Wihelm IV von 1831 – 1837 Vizekönig in Hannover. In dieser Zeit hat er eine Staatsreform durchgeführt, die dem Parlament und dem Volk weitergehende Rechte zustanden. Diese Reformen mögen ein Grund dafür gewesen sein, dass er beim Volk durchaus beliebt war. So gibt es auch einen plattdeutschen Trinkspruch, der auf die Trinkfestigkeit von Adolf Friedrich hinweist. Sein älterer Bruder Ernst August, der 1837 nach Auflösung der Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover König von Hannover wurde, war im Gegensatz zu Adolf Friedrich sehr unbeliebt. Das lag auch daran, dass dieser die Reformen wieder rückgängig gemacht hat.
Was Adolf Friedrich mit Osnabrück verbindet, habe ich nicht herausfinden können. Sicher wird er mal Osnabrück einen Besuch abgestattet haben, aber nicht, um seinen Bruder Friedrich August zu sehen. Dieser war nur bis 1802 Fürstbischof von Osnabrück und hat auch nur einige Monate hier gelebt. In der Geschichte der Stadt Osnabrück ist nur von einem „reformbereiten Herzog Adolf Friedrich von Cambridge die Rede. Das dieser ein Ur-ur-ur-enkel von dem ersten evangelischen Osnabrücker Fürstbischof Ernst August war, wird verschwiegen. Dessen Frau Sophia von der Pfalz hat er erst möglich gemacht, das ein Welfe König von Großbritannien wurde. Sie wurde nämlich 1701 aufgrund des Act of Settlement zur Thronnachfolgerin bestimmt, denn sie war eine Stuart und evangelischen Glaubens.
Natürlich kann die Stadt keine Gedanken lesen. Sie wird von anderer Seite darauf aufmerksam gemacht worden sein, das es sinnvoll ist, den Hinweis am Straßenschild anbringen zu lassen, um klarzumachen, dass diese Straße nicht Adolf Hitler gewidmet ist.